21/03/2017

Liebesgefecht

Christine Kaufmann steht auf dem Standpunkt, dass Verzicht und Askese Voraussetzungen für Lust sind und dass unsere Gesellschaft mit ihren ohne Aufwand zu befriedigenden Wünschen zur Leblosigkeit verdammt ist. Sie befindet sich damit in Einklang mit Henry Miller, der ihr in den 60er Jahren gesagt hat, Pornografie bedeute das Ende der Erotik. Unter diesem Aspekt
hat Christine Kaufmann im Laufe der Jahre Beziehungen durchlebt, beobachtet, reflektiert und niedergeschrieben. Es sind fünf faszinierende Texte entstanden, in denen sie folgende Thesen umsetzt:
In der Natur gibt es kein Liebesritual ohne Kampf. Das Weib ist so wertvoll wie sein Widerstand, der Mann so wertvoll wie seine Fähigkeit, den Widerstand zu brechen.
Männer sind perverser als Frauen, weil die normale Situation der Frau in sich schon pervers ist.
Die Zivilisation schwächt ihre Kraft zum naturgegebenen Widerstand, der aber eine Voraussetzung für jede sexuelle Paarung ist.
Aufgrund gesellschaftlicher Konventionen fehlt es Frauen – und meistens auch Männern – an Kraft und Möglichkeit, den Partner immer aufs neue zu erobern, da die Möglichkeit zu Distanz und zum Neuaufbau von Spannung fehlt.
Daran scheitern viele Beziehungen.
Die Liebe ist der Ort, an dem sich Leben und Tod verbinden. Die Endlichkeit macht Leben und Liebe kostbar.

Früher dachten Frauen um die fünfzig: Kaum weiß man, wie`s geht, schon ist es vorbei! Das ist längst nicht mehr so, aber auch heute werden alle Lebensfreuden immer noch den Jungen zugeordnet.

Leseprobe

Hammam

 

Die Fähigkeit, allein weite Reisen zu meistern, hatte sich Marie in mühsamer Kleinarbeit erkämpft. Es war kein Kampf gegen ein strenges Elternhaus,

gesellschaftliche Konventionen oder einen Ehemann. Es war ein Kampf gegen ihre eigene Schüchternheit, gegen ein Minderwertigkeitsgefühl, das ihr im Innersten suggerierte, sie sei eigentlich unfähig. Schlicht unfähig.

Dieses Fundament aus Angst und Schüchternheit sah man ihr nicht an. Sie war eine adrette, hübsche Erscheinung. Mit ihren kurzen, rotbraunen Locken, den Grübchen um den Mund, der, wenn er rot bemalt war, wie ein Röschen aussah, trat sie mit einer frischen Zielstrebigkeit auf. Darin lag sicherlich zum Teil der Grund für ihren beruflichen Erfolg. Ein Beruf, den sie nicht liebte, der jedoch ausgesprochen glamouröse Seiten hatte. Sie war Journalistin mit dem Spezialgebiet „Exotische Küche“.

 

Bei ihren Luxusreisen hatte sie sich zwar schon mal einen Parasiten als unliebsames Reisemitbringsel eingefangen, doch die angenehmen Aspekte ihrer Abenteuerreisen waren es wert, ein paar Risiken einzugehen.

Trotz ihrer Attraktivität wurde sie nie belästigt. Sie hatte sich eine derartig geschickte Kostümierung zusammengestellt, dass sie, ohne dabei exzentrisch zu wirken, in dieser „westlichen Verschleierung“ auch noch dort hingehen konnte, wo es selbst einem Marlboro-Mann mulmig geworden wäre.

Ein kleiner Glockenhut mit Krempe verdeckte ein Drittel des Gesichtes. Ihre blauen Augen, die mit ihrer neugierigen Art Missverständnisse auslösen konnten, waren stets hinter einer ovalen, halb verspiegelten Sonnenbrille verborgen. Sommer wie Winter trug sie einen Trenchcoat, je nach Jahreszeit aus leichtem oder schwerem Material. Nie auch nur eine Spur von Make-up, keine Signale, ganz pur.

 

Diesmal fuhr sie nach Fez. Marie war sehr gespannt, und nach der langen Autofahrt von Tanger hierher schienen ihr Gegend und Stadtmauern wie die offenen Arme einer anderen Welt.

Die orientalische Nacht senkt sich schnell. Marie bekam nur einen kurzen Eindruck, bevor sie im Hotel eintraf. Dieses war, wie es ihr Münchner Reisebüro beschrieben hatte, ein Gebäude wie aus Tausendundeiner Nacht. Von ihrem Balkon aus, auf dem sie in einem flauschigen Bademantel gehüllt wenig später saß, verstärkte sich der Eindruck, in einer vollkommen anderen Welt zu sein.

Sie sah auf eine gekachelte Terrasse mit einem großen Schwimmbecken, dessen Wasseroberfläche sich mit unheimlicher Lebendigkeit im Mondlicht bewegte. Begrenzt wurde sie auf der rechten Seite von großen schlanken Säulen, an denen sich Rosen emporrankten. Dahinter sah man einen Teil der Stadt, weiße eckige Häuschen. Nur aus wenigen Fenstern leuchtete ein goldenes Licht, darüber spannte sich ein unendlicher schwarzblauer Himmel.

Aus irgendeinem Grund machte ihr diese Schönheit angst. Ein seltener Zustand für Marie; plötzlich wünschte sie sich, zu Hause zu sein, eine Mutter zu haben, die sie schützt und ihr eine Schale warmen Grießbrei mit Zimt bringt. Solchen Sehnsüchten begegnete sie mit einem Ritual: Sie zog ihren Lieblingspyjama an, aus rosa Satin und viel zu groß, und nahm sich einen Liebesroman mit ins Bett. Das half ihr, ohne störenden Gedanken einzuschlafen.

Gegen fünf Uhr morgens erwachte sie von einem ohrenbetäubenden Lärm. Ihr Herz klopfte bis an die Schädeldecke. Als sie etwas zu sich kam, konnte sie das Gebrüll identifizieren. Es mussten an die zwanzig Schreier mit Megafon sein. Sie machte das Licht an und ging auf den Balkon. Der Blick war ebenso märchenhaft wie am Abend zuvor, aber der Ton zerschnitt die Schönheit wie mit einer Kreissäge. Die Megafone hatten aus den weichen religiösen Gesängen ein Höllenspektakel gemacht. Als es endlich vorbei war, las sie wieder in ihrem Buch und schlief ein.

Am Morgen war alles hell und freundlich. Sie rügte sich für ihre kindische Art und machte einen Tagesplan.

Während sie die breite Treppe nach unten lief, registrierte sie, dass dieses prachtvolle Gebäude mit den blauen Mosaikkacheln an den Wänden in all seiner Schönheit doch etwas von einem Hotel aus einem Horrorfilm hatte. An noch etwas erinnerte es sie: an eine Blaubart-Illustration von Edmund Dulac in den dämmrigen Farben des Jugendstils. Das Bild aus ihrer Erinnerung zeigte eine junge schlanke Frau, die sich an einem riesigen dunkelblauen Seidenvorhang festhält. Vor ihr glitzert eine rote Lache von dem Blut ihrer Vorgängerin. An ihrem Gesicht ist zu erkennen, dass sie ihre Neugierde bereut.

Curiosity kills the cat, lief es Marie durch den Kopf. Doch schon kurz darauf kam sie mit geordneten Empfindungen beim Empfang an und begrüßte den Guide, der ihr vom Hotel vorgestellt wurde.

Er würde sie durch die Stadt führen und sie vor lästigen Händlern schützen. Wenige Schritte vom Hotel entfernt begann die Medina, ein Labyrinth von kleinen Läden und Werkstätten. Marie war nicht auf die Intensität der Eindrücke vorbereitet. Sie fühlte sich in die Seiten eines Märchenbuches versetzt, nur die starken Gerüche erhielten das Gespür für die Wirklichkeit. Der elegante junge Mann vor ihr führte sie zügig die schmalen Wege entlang. Sie betraten einen Innenhof, der meterhoch mit Schafwollballen gefüllt war. Ein alter Mann zog aus einem der Ballen lange seidige Fäden heraus und ließ sie die Tierhaare mit den Fingerspitzen erproben. Sie rochen stark nach Lanolin und hinterließen einen Fettfilm auf ihren Fingerkuppen. Dann brachte der Guide sie in eine kleine dunkle Spinnerei, in der ein riesiges dunkelblaues Seidengewebe mit Goldfäden durchzogen wurde.

Auf der Straße waren keine Europäer zu sehen, auch keine Autos, nicht einmal Fahrräder. Schneeweiße Esel transportierten aufgetürmte Waren.

Ihr Begleiter kaufte ein großes Büschel Pfefferminze und drückte es ihr in die Hand. Er nahm ihre Hand, führte die Minze an ihre Nase und erklärte lächelnd, sie würde dies beim Besuch im Färberviertel brauchen. Er hatte recht, der Gestank intensivierte sich innerhalb von Sekunden. Man betrat die Färberei durch eine kleine Tür. Marie hatte schon Bilder des seltsamen Gebäudes mit den bunten Bottichen gesehen, in die halb nackte Männer Leder tauchten. Hier war zu sehen, was Menschen von Menschen verlangten. Der Gestank war so ätzend, dass sie sich mit ihrem puderblauen Anzug, dem schicken Mantel und dem Fotoapparat gemein vorkam. Die Treppen, die sie nun so schnell wie möglich wieder hinunterlaufen wollte, waren glitschig und rochen nach Zahnstümpfen, alt, faul und krank. Als sie endlich aus dem Gebäude kam, war sie so blassblau wie ihr Anzug. Sie versuchte zu ergründen, ob ihr Begleiter sie aus sadistischem Vergnügen oder ahnungslosem Professionalismus in diese Hölle geführt hatte. Es war ihm nicht anzusehen. Nun brachte er sie, wie zum Trost oder Ausgleich, in ein Geschäft voll von edlen Gerüchen, schwer und berauschend. Die extremen Eindrücke überreizten sie. Der Raum war dunkel, sie nahm ihre Brille ab. Der Guide lächelte sie an, und sie senkte die Augen. Ermunternd drückte er ihr einen grünen Stift in die Hand und sagte, sie solle ihn auftragen. Sogleich leuchteten ihre Lippen zyklamrosa. Obwohl sie sich jetzt hübsch und ungeschützt fühlte, freute sie sich, als er ihr ein Kompliment machte. Ganz Gentleman, schenkte er ihr den seltsamen Stift.

Wieder auf der Straße sah sie einen Verkäufer mit einer ungewöhnlichen Ware. In einer Schale voll Asche befanden sich der Länge nach halbierte weiche Eier. Das Eigelb lag unversehrt wie eine Goldkugel im appetitlichen Weiß. Der Verkäufer halbierte wie ein Zauberkünstler zwei weitere Eier, bestreute sie mit Salz und einem grünlichen Gewürz. Während sie mit genussvoller Gier aß, wunderte sie sich, wie kunstvoll er die Eier geteilt hatte, ohne das Eigelb zu verletzen. Der Guide übersetzte ihre Frage, aber sie bekam nur ein lächelndes Achselzucken als Antwort.

Zum Abschluss besuchten sie noch die von einer Frau gegründete Universität, ein prächtiges Gebäude. Marie war jedoch schon ermüdet, von all den überwältigenden glitzernden, funkelnden Eindrücken und froh, als sie wieder im Hotel ankam. In ihrem Terminkalender war der Besuch eines typischen Restaurants für den nächsten Tag vorgesehen. Sie freute sich, heute noch allein auf dem Balkon in aller Ruhe ein Glas Wein zu trinken und ihre Eindrücke zu sortieren.

Während sie beim Empfangschef ihren Schlüssel holte, sah sie eine Tafel mit der Aufschrift Hammam. Ein Dampfbad mit Massage, das klang verlockend. Sie erkundigte sich, ob sie jetzt noch eine Behandlung bekommen könne. Frauen und Männer wurden getrennt behandelt, das war ihr bekannt.

Der Portier wollte sie im Zimmer anrufen und ihr Bescheid sagen. Kaum war sie oben, klingelte das Telefon. Sie könne jederzeit ins Hammam, man warte schon auf sie. Um sicher zu sein, fragte sie noch mal, ob diese Behandlung für Frauen sei.

„Bien sur, Madame.“

Also gut. Sie duschte sich, zog einen Schlüpfer und ein einfaches Kleid an und eilte mit ihren Flachen Schuhen schnell die fünf Stockwerke hinunter. Um diese Zeit sah das Hotel noch mehr nach dem Blaubartschloß aus.

Sie erreichte den Keller. Ein winziger, beschrifteter Pfeil deutete zu einem großen dunkelblauen Gang. Auf der linken Seite sah sie ein geradezu absurd kleines Holztürchen, das der Eingang zum Hammam sein musste.

Auf ihr vorsichtiges Klopfen wurde die Tür mit quietschenden, krächzenden Geräuschen von einem Mann beiseitegeschoben, der aussah wie der Satan in weißem Frottee.

Marie spürte ihren Körper und vor allem ihr Kinn eine herausfordernde Haltung einnehmen. „Ich habe einen Termin gemacht, Zimmer 270, bin ich richtig?“

Er antwortete nicht, sondern führte sie durch einen kleinen Holzgang in eine Umkleidekabine. „Ziehen Sie sich ganz aus, und nehmen Sie das Handtuch.“ Marie war sicher, dass dieser unheimlich aussehende Kerl nur eine Art männliche Empfangsdame war. Er sah allerdings, das hatte ihr journalistisches Auge wahrgenommen, nicht wie ein Untergebener aus, sondern eher wie ein Krieger, mit einem wohlgeformten Kopf, spärlich behaart, und einer eindrucksvollen Hakennase.

Ob es die Impressionen des Tages, die heiße Luft oder das gelbe Licht war? Marie atmete heftig. Sie fühlte sich zaudernd und wacklig. In das Tuch gehüllt rief sie: „Hallo?“

Da erschien wieder der Mann mit festen zielsicheren Schritten und winkte sie einen weiteren Flur entlang. Als sie hinter ihm herlief, fiel ihr auf, dass seine Beine unter dem Bademantel nackt waren. Jetzt schob er eine große schwere Holztüre beiseite, und während sich diese öffnete, erlosch Maries letzte Hoffnung, ein Dampfbad voll zärtlicher Odalisken zu finden.

Sie betrat den riesigen, gekachelten Raum. Keine Bank, keine Liege und, vor allem, kein Mensch. Während er mit forschem Schritt auf einen Hahn zuging, diesen öffnete und sogleich aus mehreren Öffnungen dicker Dampf schoss, überlegte Marie, ob sie bleiben sollte.

Ihre erwachsene Seite beruhigte sie: Das ist völlig normal hier, du bist unter Kontrolle und kannst jede Situation meistern.

Die kleine Marie quäkte: Ich werde vergewaltigt, kein Mensch wird mich je finden, oder er lässt mich aus Feindseligkeit gegen emanzipierte Frauen die ganze Nacht im Dampf.

Während sie verstört, in ihr Tuch gewickelt, dastand, kam der Masseur – er war es offensichtlich – herein und wies sie mit tiefer Stimme, in der aber ein Hauch väterlicher Zärtlichkeit mitklang, an: „Ziehen Sie sich aus, und legen Sie sich auf den Boden.“

Wie, direkt auf die feuchten Kacheln? dachte Marie und sagte: „Wie, direkt auf die feuchten Kacheln?“

„Selbstverständlich“, sagte der Mann, und in diesem „selbstverständlich“ klangen Verachtung und Spott mit, so dass sich an Maries Körper jedes emanzipierte Haar sträubte.

Er verließ den Raum und schloss die Tür.

Marie hängte ihr Handtuch an einen Haken neben einer der beiden Duschen. Artig legte sie sich hin. Der Boden war angenehm warm, und die Größe des Raumes gab ihr das Gefühl, winzig zu sein. Winzig, rosa, klein und zart. Ein Säugling.

Aus der Decke schossen dicke Dampfströme, die sich zu einer Wolkendecke verdichteten; in das gelbe Licht getaucht, senkte sich diese langsam auf den blauen Kachelboden und Marie herab.

Da der Mann nicht zurückkam, gab sie dem Wunsch, unartig zu sein, nach, stützte sich auf die Ellbogen und inspizierte ihren Körper. Fast erschrak sie über ihre weiblichen Formen, dem Gefühl nach hätte sie einen kleinen, fast geschlechtslosen Leib erwartet.

Der Dampf schmeichelte ihrem Körper: Ihre Haut hatte einen hellen Goldton. Ihre Schultern waren schön geschwungen wie eine klassische Armbrust. Ihr Busen war rund und prall, mit winzigen korallfarbenen Wärzchen. Ein kleiner Brustkorb und eine schmale Taille, die sich gleich einer Amphore sanft zu Becken und Hintern verbreiterte. Während sie mit großem Vergnügen die seltene Gelegenheit der Selbstbetrachtung genoss, öffnete sich die Tür. Der Masseur stand im Türrahmen, nackt bis auf eine winzige Hose, die, das war mit einem kleinen Seitenblick leicht zu sehen, auch ohne Erektion sehr prall gefüllt war.

Alles, was sie noch vor Sekunden als höchst erfreuliche Besitztümer wahrgenommen hatte, verwandelte sich in Schätze, die sie vor diesem Krieger verteidigen musste.

Vorhin, im Bademantel, hatte sie seine Ausstrahlung gar nicht wahrgenommen. Er war schön. Nicht wie etwas, was man anfassen möchte. Er war schön und furchterregend wie ein Gewitter.

Vielleicht war das Unheimliche ihrer Situation lediglich das Ergebnis des Dekors. Marie rief sich zur Ordnung: Ich bin überreizt, ich bin sicher, ich projiziere, basta.

Doch es stand eine Spannung im Raum, die ihre Sinneszellen wahrnahmen, auch wenn das Gehirn dies abstritt. Sie spürte den Kampf.

Der Masseur hatte verschiedene Utensilien mitgebracht. Eine gelbe Gummimatte, einen Massagehandschuh aus Hanffasern, eine Schüssel mit einer schwarzen, dickflüssigen Paste.

Marie war in der Zwischenzeit aufgestanden, und er sagte mit seiner tiefen, doch angenehm väterlichen Stimme, sie solle sich mit geschlossenen Beinen auf die Gummimatte, die er ausbreitete, setzen. Er legte ihr die Hände auf die Knie und stellte sich hinter Marie. Nun drückte er sie mit den Händen an ihrem Nacken nach vorne, ohne mit Maries Gelenkigkeit zu rechnen. Sie bog sich wie ein Klappmesser und legte mühelos den Kopf auf die Knie, während er dabei nur mit Mühe das Gleichgewicht auf dem feuchten Boden halten konnte.

Er war perplex, das war zu spüren, und ein ruhiger, stolzer Atem füllte Maries Bauch.

Sie spürte, wie er sich einen Moment sammelte. Sie wandte den Kopf zu ihm und sah ihn an. Er mochte um die Sechzig sein und hatte einen festen, muskulösen Körper. Etwas knorrige Muskeln, aber sie musste wohl keine Angst haben, er war vertrauenerweckend.

Nun hockte er sich hinter sie und fing an, ihren Nacken zu massieren. Schon der erste Griff war wie eine zärtliche Liebkosung.

Ob es die lange Zeit war, die Marie vor lauter Arbeit ohne Berührung verbracht hatte?

Seine Hände waren das Wundervollste, was sie seit Langem gespürt hatte. So viel sensible Kraft, so viel Einfühlungsvermögen, so viel sinnliches Verständnis. Der Mann verstand etwas von seinem Beruf.

Wie war sie doch zickig, eitel und furchtsam gewesen, nur weil er fast nackt war und seine männliche Ausstrahlung den Raum füllte?

Er knetete Kummer und Sorgen aus ihrem Nacken, die Erinnerung an die ekligen Farbgerüche aus ihren Schultern und die Anstrengungen der langen Autofahrt aus ihrem Becken. Seine Hände waren auf der Jagd nach Verspannungen. Fingerfertig hob er Lasten, die sich zu kleinen Inseln auf der Rückenpartie gebildet hatten. Dann griff er nach ihrer linken Hand und raunte sanft, aber bestimmt: „Laissez-vous aller.“ Gleichzeitig mit dieser Aufforderung zur Hingabe spreizte er ihr rechtes Bein nach hinten. Nun drückte er seinen muskulösen Bauch gegen ihren Rücken, und mehrere kleine Klack-klack-klack-Töne zeigten an, dass nun auch die Verspannungen aus der Wirbelsäule gezogen waren. Marie sah neugierig an ihrem klaffendem Körper herab, während er mit der zweiten Körperhälfte ebenso verfuhr. Sie spürte, wie eine Flut von befreiten Strömen in ihren Kopf schoss, und konnte ein leises Aufstöhnen nicht zurückhalten.

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