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Der See des Murmeltiers

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Der ewige Zwist zwischen dem Heiligen Petrus und dem Erzengel Michael einerseits und Luzifer andererseits ist in einer gefährlichen Phase, weil Luzifer einen Pakt mit Augustus Miller, einem machtgierigen und skrupellosen Geschäftemacher, und dessen Partner Big Ralf geschlossen hat.

Die Drei bringen die Erde mit ihren Machenschaften an den Rand einer gewaltigen Umweltkatastrophe und drohen den in der Apokalypse und im Maya-Kalender prophezeiten Weltuntergang auszulösen. Mithilfe von Caspar, dem jungen idealistischen Neffen von Augustus, versuchen Petrus und Michael diese gefährliche Entwicklung aufzuhalten. Entstehungsgeschichte: Die Idee zu diesem Buch enstand aus einem Drehbuch, das ich für einen neuen Hollywood-Film geschrieben habe.

Inspiriert hat mich, dass am 23. April 2010 der Baubeginn der seit 2005 geplanten Gaspipeline durch die Ostsee war und mit einem Festakt die ersten Rohre verlegt wurden. Mit der Explosion der Ölplattform im Golf von Mexiko hatte ich die Ausgangssituation und konnte ein Terror- und Katastrophenszenario entwerfen, das sich sehr nahe an der Realität bewegt. Ein Buch für jung gebliebene Romantiker jeden Alters … 

 

 

Leseprobe 

Prolog

Als das Waldmurmeltier an diesem warmen Junimorgen in seinem unter einem Wacholdergebüsch gelegenen Bau erwachte, merkte es sofort, dass die Luft anders roch. Erstaunt schnüffelte es mehrmals und stellte mit seinen sensiblen Riechorganen fest, dass sich ihr Sauerstoffgehalt drastisch erhöht und ihre Stickstoffanteile ebenso stark reduziert hatten.
Natürlich wusste das Murmeltier nichts von diesen chemischen Elementen. Aber es erkannte sehr wohl, dass die Atmosphäre rein und klar geworden war, sodass die Gerüche des Waldes, in dem es lebte, sich frei entfalten konnten. Es duftete in einer Vielfalt, wie es der kleine Kerl noch nie erlebt hatte.
Und still war es. Merkwürdig still.
Keine Fahr – oder Hupgeräusche, kein Motorenlärm, keine Musik – oder Stimmengewirr drang aus der an den Wald angrenzenden Stadt an sein Ohr. Nur die Vögel zwitscherten laut und fröhlich und das Murmeltier konnte sogar das Rauschen der Blätter der Waldbäume und Gebüsche hören.
Neugierig geworden zwängte sich der pummelige Waldbewohner, der in den letzten Jahren ziemlich fett geworden war, weil er sich immer öfter auf den Müllhalden am Rande der Stadt vollgefressen hatte, durch den für seinen Körperumfang inzwischen fast zu engen Höhlengang an die Erdoberfläche. Er watschelte auf die kleine Lichtung vor seinem Bau und sog genüsslich die frische und saubere Luft in seine Lungen.
Auf einmal vernahm das Murmeltier ein Geräusch, das es verwunderte. Es klang wie das Plätschern des kleinen Bächleins, das am anderen Ende des Waldes seinen Lauf hatte und wo es immer zum Trinken hinlief. Aber wie konnte das sein? In der Nähe seines Baus gab es kein Gewässer.


Das Murmeltier beschloss, soweit ein Murmeltier etwas beschließen kann, die Sache zu untersuchen. Es verließ die Lichtung und lief zum Waldrand, hinter dem die ihm sehr suspekte Stadt lag.
In den Halden aus Blech, Plastik und sonstigem ungenießbarem Zeug, die sich zwischen dem Wald und der Stadt angesammelt hatten, fand es zwar immer wohlschmeckende Nahrung in Form von nur halb verfaultem Gemüse und Obst, das die Bewohner der Stadt, übel riechende Menschen, die mit ihren stinkenden Maschinen laute Geräusche und Dreck erzeugten, weggeworfen hatten.
Das Murmeltier scheute jede Begegnung mit ihnen, seit ein paar Männer bei seinem letzten Ausflug in die Stadt versucht hatten, es mit Steinen zu bewerfen und zu töten. Sie hatten laut etwas geschrien, dass wie „fette Ratte“ klang. Nur ganz knapp hatten sie es mit ihren Wurfgeschossen verfehlt. Seitdem war es sehr vorsichtig geworden, wenn es sich der Stadt nähern wollte.
Am Waldrand angekommen spähte es ängstlich hinter einer mächtigen Eiche hervor, um festzustellen, ob sich Menschen in der Nähe aufhielten. Völlig verblüfft riss es seine kleinen Äuglein auf. Die waren zwar nicht mehr so gut wie früher, aber gut genug, um zu erkennen, dass die Stadt verschwunden war.
Wo gestern Abend noch in dem Tal unterhalb des Waldes, dicht an dicht aus Schloten qualmende Gebäude standen, lärmende Fahrzeuge die Straßen befuhren, laut redende Menschen die Gassen bevölkerten und das Summen der Strom – und Lichtmasten sowie das Brummen der in den Häusern laufenden Maschinen an sein Ohr gedrungen war, befand sich jetzt ein stiller See, dessen spiegelglatte Oberfläche leicht vom Wind gekräuselt wurde und dessen dabei erzeugte kleine Wellen leicht gegen das Ufer schwappten, zu dem der Waldrand geworden war.
Das war das Geräusch gewesen, das das Murmeltier gehört hatte und das es nicht zuordnen konnte. Zögernd und mit vor Aufregung klopfendem Herzen trapste der putzige Bursche hinter dem Baum hervor und näherte sich dem Wasser. Vorsichtig tunkte er seine kleine Zunge in das erfrischende Nass. Es mundete ihm trotz des Metallligen Nachgeschmacks ausgezeichnet.
Nachdem es den ersten Schluck getrunken hatte, war der auf mysteriöse Weise über Nacht entstandene See für das Waldmurmeltier schon zur Normalität geworden.
Es war glücklich, dass die Stadt und ihre feindseligen Bewohner aus seiner Nachbarschaft verschwunden waren.
Der kleine Höhlenbewohner, der sich ungern weit von seinem Bau entfernte, freute sich sehr, ab sofort eine Wasserstelle in unmittelbarer Nähe seiner Höhle zu haben. Von nun an musste er nicht mehr den für seine kurzen Beine sehr weiten Weg durch den ganzen Wald laufen, um seinen Durst stillen zu können.

Kapitel 1

6.894.726.831. Tick.
6.894.726.856. Tick.
6.894.726.912. Tick
Die Zahl stieg sekündlich an. Jedes Jahr um etwa 80 Millionen. In grünen Ziffern leuchtete sie auf dem Rahmen eines riesigen Bildschirms mit der Aufschrift „Erde“, der die ganze Wand eines vollkommen in Weiß gehaltenen, lichtdurchfluteten Büros bedeckte.
Auch die winzigen Lichtquadrate, die wie Sterne auf dem Schirm funkelten, waren in ständiger Bewegung. Sie erloschen und flackerten sofort wieder auf, denn jedes dieser Quadrate stand für ein menschliches Leben auf dem Blauen Planeten. Die Zahl zeigte den aktuellen Stand.
Der Heilige Petrus saß an seinem Schreibtisch und las konzentriert in einer gelb schimmernden Akte.
„Die sieben Zeichen der Apokalypse also“, murmelte er leise und seine Stirn legte sich in besorgte Falten. Dann schloss er die Mappe, die komplett aus Gold bestand, und erhob sich.
Er warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm und da sah er es. Eins der Lichtquadrate blinkte in einem hellen Violett.
Höchste Alarmstufe.
Sofort setzte er sich wieder. Mit einem Cursor klickte er das Quadrat an und vergrößerte es.
Auf dem Monitor erschien ein dunkelgrüner, klappriger Transportbus mit der orangefarbenen Aufschrift „Tierrettung“, der durch eine von Fachwerkhäusern gesäumte Straße einer kleinen Stadt fuhr.
Es war eine mondlose, dunkle Nacht und die Scheinwerfer des Kleinbusses waren voll aufgeblendet.
In der Fahrerkabine erkannte Petrus ein junges Pärchen. Der Mann war ein Mittzwanziger mit sensiblen Zügen, dunkelbraunen Augen wie ein etwas scheues, aber mutiges Reh und langen, blonden Haaren. Er saß am Steuer.
Seine rotblonde Freundin hatte ihren zarten Kopf an seine Schulter gelegt, während sie eine durchnässte Katze streichelte, die sich auf ihrem Schoß zusammengerollt hatte.
Die Augen des Mädchens waren im Schein der Armaturenbeleuchtung grün und schwarz, ihre Haut weiß wie Elfenbein. Anscheinend hielt sie sich gerne im Schatten auf.
Petrus bewegte einen Regler auf dem Mischpult seines Schreibtisches. Sofort drang eine besorgte weibliche Stimme aus den in seiner Arbeitsplatte eingebauten Lautsprechern:
„Caspar, meinst du, wir schaffen es rechtzeitig in deine Praxis? Sie zuckt und bebt die ganze Zeit. Es fühlt sich an, als würde sie würgen und ersticken.“
Der junge Mann schluckte hastig den letzten Bissen der Schokolade herunter, die er gerade gegessen hatte. Er legte seine Hand auf den Rücken der schwer atmenden Katze.


„Keine Sorge, Gretchen, sie ist nur stark verkühlt. Es ist ein Wunder, dass sie sich mitsamt der an ihren Hals gebundenen Flasche aus den eisigen Fluten ans Ufer retten konnte. Aber das spricht für ihren starken Lebenswillen.“
„Ach Caspar, ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich sehe, was Menschen den Tieren antun.“
Während er aufmerksam der Unterhaltung der beiden lauschte, tippte Petrus die Namen „Gretchen“ und „Caspar“ in die Suchmaschine seines Personal Computers.
Auf dem Monitor erschienen die gesuchten Daten.
„Caspar Hauser, 25 Jahre alt, Tierarzt und Idealist. Sohn von Elisabeth und Hans Hauser, die als Tierschützer bei den Berggorillas im Kongo lebten. Sie wurden zusammen mit der von ihnen betreuten Gorillafamilie von Wilderern ermordet.
Nur Caspar überlebte, weil eine sterbende Gorilladame sich schützend über ihn geworfen hatte und die Wilderer den bewusstlosen, mit ihrem Blut besudelten Caspar für tot hielten.
Er wurde von Mitgliedern eines Stammes gefunden, die mit seinen Eltern befreundet waren und die die Schüsse gehört hatten. Sie übergaben Caspar an einen weißen Missionar.
Der sorgte dafür, dass er nach Ratzenburg an der Issel, einem kleinen Städtchen in Deutschland mit 12.000 Einwohnern, zu seinem Onkel Augustus Miller, dem Bruder seiner Mutter, gebracht wurde. Bei ihm ist er aufgewachsen. Miller hat ihm auch sein Studium finanziert.“
„Augustus Miller, also. Ausgerechnet Augustus Miller“, seufzte Petrus.
Dann las er gespannt weiter.
„Auf seinem Gymnasium gründete Caspar die „Agenten des Lichts“, eine Organisation, der sich bis heute fast ein Viertel aller Jugendlichen Ratzenburgs anschlossen. Sie hat sich den Umwelt – und Tierschutz als Hauptaufgabe gesetzt und bekämpft die Projekte der Firmen von Caspars superreichem Onkel mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

“
Petrus lächelte erfreut und drückte erneut eine Taste.
Auf dem Bildschirm erschien das Foto eines hübschen, rothaarigen Mädchens mit einer randlosen Brille.
„Gretchen Nabel, 22 Jahre“, las Petrus. „Sie wuchs als Waise bei den katholischen Fräuleins in Ratzenburg auf, weil ihre Eltern an einer Greenpeace-Aktion gegen das Abschlachten der Wale teilnahmen und ihr Boot von einem japanischen Walfänger gerammt und versenkt wurde.
Für die Insassen des Bootes kam jede Hilfe zu spät. Gretchen schloss sich vor einigen Jahren den „Agenten des Lichts“ an. Bei der Weihnachtsfeier der „Agenten“ vor einem Jahr verliebte sie sich in Caspar und er sich in sie. Seitdem sind sie unzertrennlich.“
„Schalte den Zoom ein“, sagte plötzlich eine weibliche Stimme sanft. Petrus fuhr erschrocken zusammen.
„Musst du dich immer so leise anschleichen, Angela? Kannst du nicht wenigstens ein Glöckchen läuten, wenn du den Raum betrittst?“
Der hinter Petrus aus dem Nichts aufgetauchte dunkelhäutige Engel, der seine persönliche Assistentin war, lächelte spitzbübisch. Sie war auf Erden mit einem Hollywoodregisseur verheiratet gewesen und hatte es geliebt, sich an ihn heranzuschleichen und ihn zu überraschen, um seine coole Fassade bröckeln zu sehen.
Diese Angewohnheit hatte sie auch im Himmel nicht ablegen können.
„Entschuldige Chef, wenn ich dich erschreckt habe“, sagte sie deshalb nur scheinbar reumütig. „Ich habe auf meinem Schirm den violetten Alarm gesehen und habe mich zu dir hergedacht. Soweit ich weiß, wird dieser Alarm doch nur ausgelöst, wenn es um die Existenz eines Planeten geht. Aber bis jetzt kann ich noch nichts besonders Bedrohliches erkennen.“
„Nun, dieser Augustus Miller verheißt nichts Gutes. Er ist im Kontakt mit unserem speziellen Freund Luzifer. Wie eng ihre Verbindung ist, weiß ich allerdings nicht. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Luzifer sich in einer seiner Maskeraden ständig in Millers Nähe herumtreiben würde, und ihn berät und beeinflusst.
Wenn es ihm gelungen sein sollte, Miller dazu zu bewegen, sein riesiges Vermögen und seine Macht einzusetzen, um ein neues gigantisches Ölbohrungs-, Staudamm – oder Autobahnprojekt durchzuführen, könnte es sehr gefährlich für die Umwelt der Erde und für Caspar, Gretchen und die Agenten des Lichts werden.

Ok schalten wir mal den Zoom ein.“
Auf dem Monitor war das aus der Vogelperspektive aufgenommene Bild des friedlich schlummernden Ratzeburgs zu sehen.
Alles schien ruhig zu sein. Es gab fast keinen Verkehr. Nur ein paar späte Nachtbummler ließen sich von drei Taxis nach Hause fahren und zwei Polizeiwagen waren auf Streife unterwegs. Und ein einsamer, alter Mann. Ohne Familie, ohne Freunde, ohne Haus. Und ohne etwas zu essen. Einsam und verlassen, wie so viele auf dieser Erde.
„Da, schau!“
Angela betätigte erneut den Zoom. In Großaufnahme waren zwei Schäferhunde zu sehen, die friedlich nebeneinander an der in die Stadt führenden Bundesstraße entlang liefen, die die Stadt mit der Autobahn verband.
In diesem Augenblick bog ein LKW mit Anhänger von der Autobahn auf die Bundesstraße ein und fuhr Richtung Stadt. Deutlich war an den Seiten seiner Aufbauten die Aufschrift „Augustus Miller“ zu lesen.
Der Vierzigtonner beschleunigte und fuhr direkt auf die beiden Hunde zu.
Angela ergriff Petrus Arm und stöhnte entsetzt auf.
Auf der Höhe der beiden Tiere machte der schwere Lastzug plötzlich einen Schlenker.
Einer der beiden Hunde wurde von dem Vierzigtonner gerammt und meterweit durch die Luft geschleudert.

Er blieb regungslos am Straßenrand liegen. Ohne abzubremsen, fuhr der Fahrer weiter, während der andere Hund zu seinem Gefährten rannte und ihn immer wieder sanft mit seiner Schnauze an stupste.
Petrus schnaufte.
Schnell drehte er an einigen Knöpfen. Das Gesicht eines höhnisch grinsenden Mannes erschien auf dem Bildschirm, der lässig sein Lenkrad mit der Linken hielt und sich mit der Rechten eine Zigarette anzündete. Im Schein des aufflackernden Feuerzeugs war deutlich ein Schild zu erkennen, das er an der Rückwand der Fahrerkabine neben seinem Kopf befestigt hatte.
„Big Ralf“, lasen Petrus und Angela. Petrus machte sich eine Notiz.
„Das werde ich in seiner Akte vermerken, da kannst du sicher sein.“
„Aber was ist mit dem angefahrenen Hund? Können wir nichts tun für ihn?“ fragte Angela.
„Müssen wir nicht, Hilfe ist schon unterwegs“, erwiderte Petrus und deutete auf den Schirm, den er erneut auf Vogelperspektive umgestellt hatte.

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